Im Interview: Katharina von der Eiche Works!

Den regelmäßigen Lesern im Onlinemgazin wird es vermutlich bereits aufgefallen sein, dass ich immer wieder gerne in das Sattlerhandwerk eintauche. Oftmals ist das Fratzenbuch dafür eine gute Informationsquelle. Klar, coole Lederarbeiten fixen mich genauso an, wie jeden anderen auch. Im Falle von Katharina von der Eiche war das Netz aber gar nicht notwendig, um zu wissen, dass sie in Pukto Leder echt einiges drauf hat, da ein ehemaliger Clubbruder von mir sich vor Jahren von ihr einen Sattel fertigen ließ, der ziemlich geil rüber kam.

Katharina von der Eiche hat sich in der Szene einen Namen gemacht. Sie gab gerne Auskunft,

Trotzdem, ab und an bin ich auf ihrem Profil unterwegs und hatte mir ohnehin fest vorgenommen, sie zu kontakten. So vor einigen Wochen geschehen. Und obwohl Katharina sich voll im Umzugsstress in ihre alte Heimat nach Nürnberg befindet, hat sie sich auf das Thema eingelassen. Da die meisten aus der Branche ein klare Intention haben, läuft die Nummer wieder als Interview. Es wird länger, steigen wir also direkt ein.

Das Interview!

1. Hey Katharina. Seid wann bist Du mit Deinem Lederhandwerk selbständig und wie kam es überhaupt zur Betriebsgründung?

Ich habe vor ca. 25 Jahren mit der Lederbearbeitung angefangen. Mich hatten generell die Sitze fasziniert, die ich auf diversen Bikes gesehen habe. Mein Gedanke war “Das muss ich probieren” und so fing es auch an. Werkzeug gekauft, Leder besorgt und los ging es. Ich bin Autodidakt. Erklärungen oder Schulungen hätten mir nicht viel gebracht doch ab und an hab ich mal jemanden gesehen, der punziert hat, dem habe ich dann  ein paar Minuten über die Schulter geschaut.

Das hatte mir dann auch schon gereicht. den Rest hab ich mir selbst beigebracht. Als mein Umfeld, die durch die Bank Harley-Fahrer waren und noch heute sind, meine ersten *Kunstwerke* sahen, ging es auch schon los, dass ich sie mit Sitzen, Taschen, Gürteln, usw. versorgt habe. Das war dann der Punkt, dass ich Leder zu meinen anderen Tätigkeiten mit aufgenommen habe.

Hohe Kreativität und Akribie sind u. a. Katharinas Ansprüche!

2. Was gefällt Dir so am Rohstoff Leder?

Leder ist ein genialer Werkstoff. vor allem das Leder mit dem ich arbeite. Es ist ja vollkommen unbearbeitet, also keine Öle, Farben oder oder oder. Blankes Rindsleder, das es ab 0,5 bis 6 mm oder mehr gibt. Mich fasziniert, dass ich aus einem rohen Stück Leder am Ende etwas Schönes kreieren kann. Wenn das Leder nass ist, kann ich es formen. Ich kann Tiefen durch das einschlagen mit meinem Werkzeug erzielen, es entsteht ein Stück Einzigartigkeit.

Ein sitz, den ich personalisiere, eine Tasche, in die der neue Besitzer am Ende einen halben Hausstand bekommt  oder einen Geldbeutel, der dann viele Jahre hält. lLder ist ein tolles Material. Es ist lebendig, verändert seine Farbe, wird mit der Zeit glatter und wenn es gut gepflegt wird, wird es mit dem Besitzer sehr alt.

Referenzarbeiten!

3. Siehst Du Dein Business als Dienstleistung oder eher als Kunst?

Eine Mischung aus beiden. Es ist definitiv eine Dienstleistung. aber es ist auch ein Stück Kunst. bzw. Handwerkskunst. ich glaube, man muss alles gut miteinander verbinden. Der Kunde ist und bleibt König. Bis es zu einem auftrag kommt, kann es schon einmal viele stunden dauern, bis ich weiss, wie genau ich den Kunden glücklich machen kann. Welche Motive mag der Kunde, wie soll der Sitz gepolstert werden, welche Form soll die Tasche haben usw.. Das ist die Dienstleistung. Die Kunst bestht dann darin, den Entwurf zu zeichnen. Da kann schon einmal ein ganzer Tag vergehen, bis ich selbst mit dem Ergebnis zufrieden bin. Letztendlich segnet aber der Kunde den entwurf ab. Wenn das alles gut ist, dann kommt das Handwerk dran, sprich das punzieren , färben und am Ende die Fertigstellung.

4. Wo liegen bei Dir die Schwerpunkte?

Gibt es eigentlich keine. ich mag Herausforderungen. etwas, was mich echt an den Rand eines Nervenzusammenbruches bringt. Ein Beispiel: Vor zwei Jahren kam jemand zu mir, der seine Harley mit Jeansstoff bezogen haben wollte. Mit meiner Antwort war ich recht schnell und sagte: “na klar…. ist doch gar kein problem”. Kaum war der Kunde zur Tür raus, fragte ich mich selbst, warum ich mir nicht einen ganzen Gartenzaun vors Hirn geschlagen habe. Aber wenn ich was zusage, dann halte ich es auch. Also hab ich zwei Wochen Motorradteile mit Jeansstoff bezogen. faltenfrei, mit schönen Nähten und punzierten Einsätzen am Tank.
Die Nummer hat damit geendet, dass ich die Teile sogar noch gebügelt habe. Der kunde war damit so glücklich, dass er mir ein paar Tage später noch seine Helm brachte, denn der musste natürlich zum Bike passen und damit sein Sitz zu seiner Ledertasche passte, die er schon hatte,  bekam er von mir noch einen schön punzierten Sitz. Du siehst,  wirkliche Schwerpunkte gibt es nicht. Vom Geldbeutel bis zur Tasche, Gürtel, Sitze, alles was das Herz begehrt und der Kunde will. Geht nicht, gibts nicht. Meistens jedenfalls.

Bikerbrieftaschen, auch Wallets genannt, werden nach wie vor regelmäßig von Kunden angefragt.

5. Worauf sollte sich Dein Kunde einstellen?

He he, auf viel Kaffee, volle Aschenbecher und einen wilden Hund. Im Ernst: er muss sich darauf einstellen, dass ich ihm viele Fragen stelle. ich will immer ein bisschen was über meine Kunden erfahren. was macht der Kunde so? Hobbies? Welche Art von Motiven mag er? Welches bike fährt er? Hat er Bilder? Aus all diesen Fragen bildet sich in meinem kopf so langsam ein Motiv, dass zu dem Kunden passt und von dieser Idee erzähle ich dem Kunden dann.

Klar kommen einige auch mit Bildern, die sie gerne hätten. Dann erkläre ich ihnen, dass ich ihnen was ähnliches mache, aber nicht das gleiche. Ich hasse es, etwas zu kopieren. Wenn es sich um ein Logo handelt, klar, dann bekommt der kunde das teil 1 zu 1, doch ein bisschen künstlerische Freiheit nehme ich mir da aber auch raus. Die kunden können mir  auch Löcher in den Bauch fragen, denn Beratung ist enorm wichtig, was Farben, Nähte oder Flechtrand betrifft. Ich möchte am Ende einen Kunden vor mir stehen haben, der nicht verwirrt ist, sondern genau weiss, was gemacht wird. Gerne führe ich den Leuten bei Interesse auch mal vor, wie das Punzieren funktioniert.

Punzierarbeiten gehören sicherlich zu den Herausforderungen!

6. Aspekt Szene. Welchen Bezug hast Du dazu?

Bevor ich vor knapp 15 Jahren meine Zelte in Nürnberg abgebrochen habe, war ich noch viel in der Szene unterwegs. da hatte ich selbst noch einen fahrbaren Untersatz. Jede Menge Bikertreffen, Messen, usw. habe ich besucht. Ich glaub, ich war fast überall zu finden, Egal ob von Clubs veranstaltet oder nicht, privat oder beruflich. Als ich nach Bremen ging, war es damit schlagartig vorbei. Meinen untersatz hatte ich nicht mehr und ich musste mich beruflich auch wieder neu aufstellen.
Und da war es eine ganz andere Szene, die mir da geholfen hat, nämlich die Cruiser szene. Das sind die etwas anderen Fahrräder, von denen ich selbst so einige Exemplare besitze. Den kontakt zu der Biker-Szene habe ich aber nie verloren. Ich war halt nicht mehr vor Ort, aber das Internet macht es möglich und ich konnte meine alten Kunden wieder aktivieren und bekam jede Menge neue dazu. Ich konnte mich sogar wesentlich bekannter machen. weit über die Grenzen Deutschlands hinaus.

Erst langsam hatte ich dann wieder angefangen so drei Veranstaltungen im Jahr anzufahren. meistens kleine und gemütliche Events. Übers Internet hab ich aber auch einige Kontakte zu Customizern knüpfen können. Diese Szene hab ich nie aus den Augen verloren, denn darin sind ja die meisten meiner Kunden verwurzelt. Da ist es auch egal ob mit Kutte oder ohne, denn eines haben sie alle gemeinsam: Die Liebe zum Bike. Und das ist auch meine liebe, auch wenn ich derzeit nur noch mit meiner Schwalbe die Straßen unsicher mache.

Referenzarbeiten!

7. Wie siehst Du die Szene heute im Vergleich zu früher?

Da hat sich einiges verändert. Ich will aber nicht sagen, dass es unbedingt zum schlechteren ist. ich sag jetzt mal: Zu meiner Zeit ( ich bin alt ) waren es noch viele langhaarige Bombenleger, die knurrend auf ihren Bikes unterwegs waren. Die jungs waren cool und sind es immer noch. Heute mit grauen Haaren, knurren sie immer noch und haben Spass. Sie lieben die alten Werte, so wie ich auch. Respekt, Liebe und Freude haben.
Die szene heute ist was ganz anderes. Ich nenne sie “die jungen Wilden”. Die jungs und Mädels sind teilweise echt klasse drauf und kommen mit interessanten Ideen  um die Ecke. Vielen ist es bei ihren Bikes auch egal, ob da eine Harleyaggregat drin ist oder eine Honda oder oder oder. Ich habe den Eindruck, dass es gar nicht mehr so drauf ankommt, ob du eine Harley fährst. Es kommt drauf an, was du aus dem Bike machst. Und wenn ich mir die Bikes anschaue, die da gebaut werden, oft in einer kleinen Garage, bin ich mehr als nur beeindruckt, mit welcher Liebe zum Detail gearbeitet wird.

Der Background der Kunden fließt in Katharinas Arbeiten ein! So entstehen Ideen!

Ich hab mich mit vielen von ihnen unterhalten, weil es für mich interessant ist, was sie gerade hipp finden. Dabei hab ich herausgefunden,dass so einige BMX-Fahrer oder Skater dabei sind. Oder sie kommen aus der Cruiser-Szene, in der ich ja auch aktiv bin. Ich finde es gut, dass es noch genügend Junge gibt, die sich dem Thema Bike verschrieben haben. Der Nachwuchs muss ja gesichert sein, denn mal ehrlich, was soll die Welt mit lauter Gretels? Dank der neueren szene sind die Herausforderungen, die ich bekomme, auch ganz andere als früher. Adler oder Drachen sind seltener geworden, keine bösen Schädel mehr. Dafür mehr lustige oder schräge Schädel , mehr eigenwillige Motive, und die Sachen machen echt Spaß.

8. Du warst beim Build Off auf der Custom Bike 2019 auf der Bühne. Warum?

Oh ja, das war mir eine besondere Ehre und Freude, dass ich beim Biker Build Off dabei war. Ich durfte für Mac Sands aus der Schweiz ein paar Gravuren vor ort machen. Sandra und Mac kenn ich schon ein paar Tage und hab für einen Kunden von ihnen mal ein komplettes Bike gemacht. Die Bikes, die die beiden bauen sind ohnehin einzigartig. Als die anfrage kam, hatte ich einen halben Herzklappenabriss und tanzte um meinen Stuhl vor Freude. Klar, sagte ich schnell zu und da ich SS Cycles auch schon viele jahre kenne, wusste ich, dass die Geschichte genial wird. Aber glaub mir, die Aufregung war riesig. So auf einer Bühne zu arbeiten ist was anderes, als in Ruhe in der Werkstatt.

9. Gibt es ein Biker-Event, an dem Du ultra gerne noch mal mit Deinem Business teilnehmen möchtest?

Auf jeden Fall bei der Choppertown Sideshow in Kaldenkirchen. Und ich hoffe doch sehr, dass diese wieder im nächsten Jahr stattfindet. (Ende Interview)

Meines Erachtens ein Symbol für Professionalität!

Das Bike Build Off auf der Custom Bike Show 2019, etliche Arbeiten für Customizer sowie die lange Präsenz in der Szene sprechen meines Erachtens dafür, dass wir von Katharina noch viele schöne Arbeiten sehen werden! Was ihre Gravurarbeiten sowie die Bemalungen anbelangt, so beschäftige ich mich separat damit. Da kommt also was nach!
Fotos: Hermann Höfner

Autor: Lars Petersen

Über 30 Jahre Erfahrung als Vertriebsmann. Davon 9 Jahre Anzeigenleiter bei der Borgmeier Media Gruppe GmbH in Delmenhorst. Ü50, Vater, Musiker ( Singer ) und MC-Mitglied. Karre? 99er Harley Davidson Road King KM pro Jahr? Das reicht schon! Mein Credo? Geht nicht, gibt es nicht!! Machen, nicht labern! Der Autor weist ausdrücklich darauf hin, dass er seine Tätigkeit mit der höchst möglichen Neutralität und Objektivität ausführt und die Inhalte im Online-Magazin nur von ihm entschieden wird. Besonderes: Veranstalter von Bikes, Music & More Vol.1 bis 5. - Das Biker-Festival in Delmenhorst sowie der Biker Meile im Rahmen des Delmenhorster Autofrühlings.