Leserbrief: On the Road mit den Iron Horses!

Lektoren würden sagen, der Text ist viel zu lang und beinhaltet Fehler. Mag sein, aber das ist ein Leserbrief eines Bikers, der uns von seinen Erlebnissen on the Road mit einem MC berichtet. Da wird nichts gekürzt und auch nichts redigiert. Rechtschreibfehler dürft ihr also behalten. Die Message zählt.

Störte 1%er während eines Solo-Tripps in den USA mit der eigenen Karre.

Der Leserbrief!

„Mit den Nürnberger Iron Horses nach Ungarn
Über Peter, ein Urgestein der Scene, kam der Kontakt zustande. Auf einem Zwischenstop zur Demo „Freedom is our religion“ in Berlin, knatterte er mit seiner uralten Elektraglide ebenfalls nach Schilda in Brandenburg, um die Übernachtungsgelegenheit dort wahrzunehmen. Das unsägliche Prozedere der Rennleitung vor zwei Jahren ist allen damaligen Teilnehmern hinlänglich bekannt. Peters Ofen wurde, obwohl alle Eintragungen vorhanden waren, konfisziert. Doch, und das machte mir den Mann sofort sympathisch, nutzte er einen Augenblick behördlicher Unaufmerksamkeit, trat sein Teil an und machte sich vom Acker.

Störte 1%er und sein Kumpel Jo!

Yep, man verabredete sich zur Demo in Nürnberg. Jo nahm daran teil und lernte dort die Horses kennen. Der Kontakt zum Peter blieb stabil. Es erfolgte ein Gegenbesuch bei Jo und eine gemeinsame Fahrt zu unseren Freunden an die Nordseeküste…anyway…irgendwann stand dann dieser Run nach Ungarn an, und Jo und ich waren eingeladen.. Das war ganz nach meinem Geschmack und nach langer Reha und Coronapause exakt das Ding für mich persönlich, was Touren betrifft, um wieder auf Standart zu kommen.
Peters hinterer Bremszylinder an der E-glide hatte den Geist aufgegeben. Kurzfristig war kein Ersatz zu besorgen, also musste er auf seine alte BMW Enduro zurückgreifen. Jo und ich trafen nach ca. 550 km Anreise bei ihm gegen Abend ein. Treffen und Abfahrt mit den Männern vom Iron Horses MC Nürnberg am anderen Morgen 7 Uhr. Ja und wir waren sogar pünktlich.
Schnell stellte sich während der Fahrt die Formation her. Jo und ich als Gäste wurden intergriert und das blieb so die nächsten fast 1800 km. Das wir das einzige Gewitter weit und breit voll mitnahmen, erwähne ich nur am Rande. Für mich, klatschnass, bedeutete es einmal Monturwechsel, derweil die Jungs ihre Zigaretten rauchten. Ich hatte bei Abfahrt schon beschlossen nur mit Hoody und Tshirt zu fahren.

Das Klubhaus der Iron Horses in Ungarn!

In über 40 Jahren on the road bin ich schon in vielen Packs gefahren. Die Disziplin und Dichte der Horses auf der Straße hat mich dennoch beeindruckt. Kein Abriss, kein Trödler, geordnetes Tanken und Parken und ein umsichtiger, vorrausschauender Presi vorneweg, ermöglichten durchweg Tempo 120 und ein zügiges Weiterkommen.
Bei den Ösis ein Pickerl (Vignette ca 9 Euro für 10 Tage) zu kaufen ist obligatorisch, aber das die Magyren für ihre Piste etwa den gleichen Betrag erheben ist schon fast dreist. Für mich zählt zu einem Highway auch Auf- und Abfahrt. Die dort unschwer zu findenen richtig tiefen Schlaglöcher bedeuten im Dunkeln für jeden Biker das Ende der Reise. Also immer mit größter Vorsicht fahren. Über Land sind die Straßenverhältnisse ebenfalls bedenklich und weiter ab größerer Städte eher Teststrecken für Motocrosser und Endurofreaks. Eine dieser Strecken (zur Unterkunft ) sollte auch bald bei uns seinen Tribut fordern. Aber der Reihe nach…
Ohne Probleme rollten wir gegen Abend bei der Unterkunft ein, die Gerd der Presi im Vorfeld klar gemacht hatte. Wir bezogen Quartier in einer jener Gemeinschaftsherbergen, an denen noch der Charme sovietischer Freizeitgestaltung haftete. Zwischen liebevoll gepflegten Datschen und Zimmern in Reihe für Durchreisende, Donauangler oder Wasserwanderer lagen eben auch unsere 4 Bettzimmer mit bunter Bettwäsche und immerhin einem uralten Röhrenfernseher und einem Kühlschrank. Sauber die Sanitäranlagen, fließend heiß/kalt Wasser mit ordentlich Druck auf der Leitung, welch Wohltat nach der Anreise. Das hatte ich auf meinen vielen Reisen im Osten schon anders.
Die Küche war hervorragend, es schmeckte richtig gut, nur Peters Kutteln in Paprikasoße war denn doch nicht so mein Fall und ich war froh am anderen Ende der Bank zu sitzen. Yes, wir waren die letzten Gäste und mit reichlich Vorrat an Bier genossen wir noch den ausklingenden Tag. Die Sturmfront eines heraufziehenden Gewitters riss zwei der riesigen Sonnenschirne aus ihren Ständern. Ein Spannstab verfehlte mich nur knapp. Wir sicherten sie gemeinsam, rollten sie ein und verbrachten sie in die überdachte lobby. Ein üppiges Frühstück am Morgen gab dann viel Kraft zurück..über die Kosten für alles schweige ich, nur eins sage ich dazu: es war günstig, sehr günstig!
Die Horses hatten für uns einen Shuttleservice eingerichtet und so wurden wir am Nachmittag zur Party abgeholt. Am Freitag blieb man bei den Horses unter sich. Alle waren vom Chapter eingeladen. Es wurden viele selbstgebrannte Spezialitäten ausgeschenkt. An den teils schmerzverzerrten Grimassen ( grins) konnte man die jeweilige Stärke der Spirituosen ablesen. Hey, ich war froh vor zig Jahren die Abstinenzentscheidung getroffen zu haben, so gingen diese Kelche an mir vorrüber.
Auch zu später Stunde funktionierte der Shuttleservice, nur ist mir schleierhaft wie unser Pilot mit hohem Tempo auf diesen Pisten seine Fuhre sicher zur Unterkunft brachte ohne eins der Schlaglöcher zu treffen. Respekt.
Samstag war bis zur Party Abhängen angesagt. Einige machten einen Ausflug zum nächsten Zigarettenladen. Auf dieser Tour muss sich Peter in einem jener Schlaglöcher seinen Monolever an der alten BMW Enduro beschädigt haben. Jo verlor gleich einen Blinker und sein Rücklich quitierte den Dienst. Aber alles in allem ist nicht viel mehr passiert.
Auf der Party der Ungarischen Iron Horses gaben sich etliche große Motorradclubs ein Stelldichein. Was mir dabei sofort auffiel war der herzliche Umgang. Keine Bösegucker, keine Poser, keine X oder A teams, alles echte Biker und Sprachbarieren wurden einfach mit Englisch oder Bayrisch überbrückt. Schnell war das riesige Gelände mit Zelten belegt und das liebevoll gebaute Clubhaus füllte sich. Die Coverband lieferte, nur war für mich der Gesangspart etwas gewöhnungsbedürftig, but what else, nein die schafften sich schon richtig rein (lol)
Da uns am anderen Tag eine lange Rücktour bevorstand, hielten sich die Nürnberger Horses mit dem Konsum von Bier und Schnaps deutlich zurück, was der Stimmung aber keinen Abbruch tat. Vorbildlich meine Herren !, und die Entscheidung, alle übrigen Bons am Ende in Mineralwasser zu investieren erwies sich auf der Rücktour als weise Voraussicht.
Ein neuer Pilot schaukelte uns in der Nacht etwas sanfter zur Butze. Sechs Uhr wecken, sieben Uhr Abfahrt! Oh Mann! auf Peters Hinterradfelge eine Öllache..das bedeutete nix gutes. Wir kontrollierten unterwegs den Ölstand im Endantrieb seiner BMW..doch kurz vor der Grenze nach Östereich hätte es ihn fast geschmissen.Der Stoßdämpfer der Einarmschwinge arbeitete nicht mehr. Das Bike war kaum mehr fahrbar. Er fuhr jetzt vorne neben dem Presi. Mit maximal 80 km/h errreichten wir die Grenze ohne Sturz. Auch hier erwies sich fahrerische Disziplin im Pack als die beste Versicherung für uns alle. (das habe ich schon anders erlebt)
Peter bemühte ab Östereich den ADAC, bekam ein Taxi nach Wien und von dort einen Corsa als Leihwagen nach Hause. Ich erspare euch das Lamentum am Telefon , nix für meine Nerven, unterm Strich war er schon vor uns bei sich zuhause.
Die brutale Hitze machte allen zu schaffen, 37/38 Grad, heißer Fahrtwind, heißes Mineralwasser, aber wenigstens Flüssigkeit, die vorne und hinten in den Nacken geschüttet wenigsten bein Fahren kurz kühlte. Wir erreichten alle wohlbehalten die Heimat der Horses.
Jo und ich übernachteten bei Peter und machten uns andern Tags auf die letzte Rutsche (ca 550 km).
Durch Regen und Gewitter war es teilweise richtig kalt. Die endlos langen Baustellen auf der A3 von und nach Nürnberg wusste Jo bestens zu umfahren (da kam der routinierte Trucker aus ihm raus) und mit wenig mehr zusätzlicher Strecke und 120km/h Durchschnitt waren auch wir zwei am frühen Abend wieder zuhause.

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Fazit:

Nein, ich war nicht skeptisch mit fremden Bikern eine lange Tour zu fahren, eher neugierig. Wer neue Menschen und neue Clubs kennen lernen will, muss neue Wege gehen(fahren)
Ein langes Wochenende, 2800 km rock n roll…es hat sich mehr als gelohnt. Keinen Kilometer will ich missen. Den Jungs vom Iron Horses MC hier noch einmal mein Dank! Ihr seid SPITZE und hey Gerd…RESPEKT für Umsicht und Sorgfalt! gerne immer wieder…
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in diesem Sinne ganz liebe Grüße an alle
ride safe
yo Störte1%er“ (Ende Leserbrief)
That’s life, that’s Störte 1%er. Genau das mag ich an ihm und viele andere auch. Übrigens, der Leserbrief wurde vom Iron Horses MC Nürnberg vorab abgenickt. Im Rahmen meiner Südtour hatte ich zum Abschluss das 50th Anniversary der Männer besucht und war ob der Lokation echt beeindruckt. Der Bericht darüber ist unten eingestellt. Danke für den Szenebeitrag!!

Autor: Lars Petersen

Über 30 Jahre Erfahrung als Vertriebsmann. Davon 9 Jahre Anzeigenleiter bei der Borgmeier Media Gruppe GmbH in Delmenhorst. Ü50, Vater, Musiker ( Singer ) und MC-Mitglied. Karre? 99er Harley Davidson Road King KM pro Jahr? Das reicht schon! Mein Credo? Geht nicht, gibt es nicht!! Machen, nicht labern! Der Autor weist ausdrücklich darauf hin, dass er seine Tätigkeit mit der höchst möglichen Neutralität und Objektivität ausführt und die Inhalte im Online-Magazin nur von ihm entschieden wird. Besonderes: Veranstalter von Bikes, Music & More Vol.1 bis 5. - Das Biker-Festival in Delmenhorst sowie der Biker Meile im Rahmen des Delmenhorster Autofrühlings.