Rocker & Business: Carsten von Lucky Punch Leather!

Ich stelle in dieser Rubrik grundsätzlich ganz normale Szenegänger vor. Manche sind im Club, manche nicht. Mir geht es dabei keinesfalls um die vermeintlichen „Aushängeschilder“ der Szene, sondern um Leute, die mir irgendwie auffallen, ob durch ihr Business oder durch das, was ich von Ihnen wahrnehme. Wenn das persönliche Gespräch dann noch funzt, sind wir im Spiel. Im Falle von Carsten waren es seine Lederarbeiten, die mich anfixten. Wie viele Biker auch, versucht er sich etwas aufzubauen. Und das präsentieren wir doch sehr gerne. Denn nach wie vor könnt ihr den wenig repräsentativen Mist woanders lesen! Hier findet das Pendant dazu statt.

Carsten (links) im Kreise seiner Brüder. Er ist Member im Iron Horses MC Maxvorstadt.

Interview: Carsten von Lucky Punch Leather!

1. Wann wurde Lucky Punch Leather gegründet und versteckt sich hinter dem Namen das Dengeln?

Angefangen mit dem Lederhandwerk habe ich vor ca. drei Jahren. Mit deiner Vermutung (Dengeln) zur Namensgebung liegst du richtig. Das englische Wort Punch steht ja für den Schlag. Und solch eine Punzierung im Leder besteht aus hunderten oder manchmal sogar aus noch mehr Schlägen mit dem Punziereisen und dem Hammer. Das Geheimnis dabei ist, dass man keine einzelnen Schlagmarken sehen soll, sondern nur  leichmäßige Konturen. Wenn dann alles gut geht und die Augen des Kunden leuchten, war es ein Lucky Punch. Ich mag zwar Skulls auch sehr gern und verwende sie oft als Motiv, aber mittlerweile hat das jeder Zweite. Ich wollte etwas anderes und vor allem den Wiedererkennungswert.

Carstens erste Arbeit überhaupt!

2. Weche Intention ging der Gründung voraus?

Ich habe vor sechs Jahren meine Frau an den Krebs verloren. Um danach nicht komplett durchzudrehen, musste ich etwas finden, wobei ich den Kopf ausschalten konnte. Sozusagen als Therapie. Ich habe dann mit dem Zeichnen angefangen. Das konnte ich schon immer ganz gut. Für meine Bilder benutzte ich bewusst nur einen Kugelschreiber. Der verzeiht keine Fehler, da es ja dafür keinen Radiergummi gibt. Also war da volle Konzentration angesagt,wenn etwas Brauchbares entstehen sollte. Zwischendurch gab es auch mal den Gedanken, zu tätowieren. Da gibt es aber schon zu viele Gute und es braucht seine Zeit, bis man das draufhat. Und genug Opfer.

Und dann, eines Tages, fuhr ich eine Fat Bob mit einem wirklich hässlichen (weil originalem) Tank Pad aus Kunstleder. Das war sozusagen der Auslöser. Das Handwerk an sich kannte ich
schon lange aus der Western Reitszene. So habe ich mir dann ein paar Werkzeuge besorgt, etwas Leder, und los gings. Vorher noch ein paar Videos auf YouTube geschaut und einfach nachgemacht. Seminare habe ich nie besucht, bin also hundertprozentiger Autodidakt. Zum Glück habe ich dafür eine blühende Fantasie und war nie auf das Klauen von Bildern angewiesen. Ich hab einfach nie für mich selbst die passenden Sachen aus Leder gefunden.  Also…Do it yourself.

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3. Was fasziniert dich am Rohstoff Leder?

Ich mag einfach natürliche Materialien wie Leder und auch Holz. Sie wecken Emotionen und leben. Wobei ich mittlerweile ja auch wieder mit Metall arbeite, da ja bei mir auch Gravuren gefertigt werden. Aber mit den Werkstoffen aus der Natur hat man jedes Mal eine neue Herausforderung, da kein Stück Leder dem anderen gleicht. Spätestens beim Färben lernt man das. Macht man beispielsweise eine Tasche aus Teilen, die von verschiedenen Häuten stammen, kann das schnell frustrierend enden, wenn die unterschiedlich vom Leder aufgenommen wird.

4. Wo liegen deine Schwerpunkte?

Sowohl beim Leder als auch bei den Gravuren arbeite ich eigentlich zu 100% für Biker. Das liegt mir, da ich ja selbst einer bin. In dem Bereich weiß ich, was es gibt, was möglich ist und was nicht. Das kommt natürlich dem Kunden schon im Vorfeld bei der Beratung zugute. Von Anfang an habe ich nur Einzelstücke gefertigt. Das Argument…“Das hast nur du und sonst niemand“…funktioniert eigentlich immer noch. Viele Harley Fahrer sind da im positiven Sinne etwas eitel. Die Vielfalt ist ja für das Auge auch viel schöner. Außerdem ist es natürlich auch ein wirtschaftlicher Grund. Mit Massenware a`la China kann man nicht überleben. Selbst bei anderen einheimischen Herstellern ist mir da manchmal schon zu viel Serie drin. Ich bin da eher der Individualist. Wenn ich ein Projekt beende, kommen die Skizzen in eine Mappe und dann ab in den Schrank. Beim Nächsten wird dann wieder bei null angefangen.

Eine weitere Lieblingsarbeit!

5. Aspekt Kunde. Worauf muss sich dieser einstellen?

Meine Kunden bemerken meist sehr schnell, dass ich großen Wert auf Kommunikation lege, was die Arbeit angeht. Bei Anfragen suche ich sofort nach dem persönlichen Kontakt (Telefon). Dann ist es eigentlich ähnlich wie bei einem guten Tätowierer. Es wird im Gespräch herausgearbeitet, was der Kunde eigentlich möchte. Ob er auf einem Irrweg ist oder nicht. Manchmal muss auch die Arbeit an sich erklärt werden, um zu verstehen, was möglich ist und was nicht. Ebenso, ob er über ein kleines Teil nachdenkt oder das gesamte Bike im Blick hat. Das ist der beste Weg und nach meiner Erfahrung gefällt es den Kunden so auch am besten. Und ganz nebenbei lernt man so auch viele nette und coole Leute kennen. Hab mit einigen meiner Kunden auch nach dem Ende der Arbeit den Kontakt gehalten.

6. Was fährt du für ein Bike und welche Beziehung hast du zur Clubszene?

Ich selbst fahre eine 103er Fat Boy. Mein Traumbike seit ewigen Zeiten. Welcher große Junge wollte nie mal der Terminator sein (Grins)? In der Clubszene stecke ich mittendrin, da ich selbst Member im Iron Horses MC Maxvorstadt bin. Die Jungs sind nach dem Verlust meiner Frau sozusagen zu meiner neuen Familie geworden. Ich hatte Glück.

Seine FatBoy mit 103 Cubic Inch!

7. Was war denn so deine bisher coolste Tour?

Da gibt es eigentlich zwei Touren, die ich nennen könnte. Die Erste habe ich vor ein paar Jahren allein gemacht. Da ging es durch die Schweiz, Italien, Österreich, Tschechien, Polen und über Deutschland wieder in die Schweiz zurück. Das waren 3800km in acht Tagen. Und in diesem Jahr ging die Tour mit einem Bruder aus meinem Chapter und seiner Familie 3500km durch Deutschland, Belgien, England, Holland, Deutschland und die Schweiz. Keine Hotels oder andere gebuchte Unterkünfte. Wir sind immer bei Freunden aus dem eigenen oder aus befreundeten Clubs untergekommen. Die Gastfreundschaft und Offenheit in der Szene sind Dinge, die mich immer noch am meisten beeindrucken (Give respect to get respect). Da wird immer noch ohne jede Vorbedingung geholfen. Auch wenn das manchmal nicht einfach ist.

Mit den Brüdern ist Carsten europaweit unterwegs! Seine Familie!

8. Wie stehst du zu dem Aspekt Massenproduktion, made in Asia zum Beispiel?

Massenproduktion aus dem Hause China deckt allenfalls den Mainstream ab, wird aber einem Individualisten mit etwas Geschmack nie gefallen. Vieles wird heutzutage zur Modeerscheinung. Und plötzlich hat jeder zweite den gleichen Lenker oder die gleiche Tasche am Bike. Das kommt einem vor wie der Gruppenzwang aus Kindertagen. Leider gibt es viele, die zu allererst nach der Zahl fragen und dann erst nach dem Produkt. Eine Rolex zum Preis einer Casio. Da wird nicht drüber nachgedacht, wo die Rohstoffe herkommen und auf welche Weise sie produziert wurden. Diese Klientel zählt eher nicht zu meinen Kunden.

9. Sieht man dich auch auf Treffen?

Als Aussteller auf Treffen war ich bis jetzt nicht aktiv. Das gab es bis heute nur auf Events und Partys im eigenen Club. Ich mache ja nur Unikate, also Auftragsarbeiten. Da geht alles auf Bestellung und wird dann auch gleich geliefert. Geplant ist es jedoch. Die erste Einladung, auf einem Harley Treffen auszustellen, habe ich vor ein paar Wochen für den August 2020 erhalten. Da bin ich sehr neugierig, obwohl es noch lange hin ist. Der direkte Kontakt mit Interessenten und das unmittelbare Feedback ist wichtig in diesem Business. Werde da ein dickes Notizbuch mitnehmen.

Referenzarbeiten Werkzeugrollen!

10. Gibt es ein Projekt, auf das du besonders stolz bist?

Da gibt es eigentlich mehrere. Ich mag alle meine Babys. Aber etwas ragen die Fronttasche mit dem Adler und das komplette Set für die Fat Boy heraus.
(Ende Interview)

Zum Sattsehen!

Ich werde Lucky Punch Leather mal weiter beobachten. Cool wäre es natürlich, wenn mir Carsten auf irgendeinem Treffen mal über den Weg läuft. Aber vielleicht unternehme ich ja wieder eine Südtour, so wie vor einigen Jahren, wo ich in 10 Tagen 10 Clubs besucht habe und die Tour beim 50th Anniversary des Iron Hourses MC in Nürnberg endete. Das war eine Party! Übrigens, Carsten ist kein Rocker des Monats, er ist einfach nur Carsten!

Für sein Business hier der Kontakt: https://www.facebook.com/Lucky-Punch-Leather-1700826749998016/

Autor: Lars Petersen

Über 30 Jahre Erfahrung als Vertriebsmann. Davon 9 Jahre Anzeigenleiter bei der Borgmeier Media Gruppe GmbH in Delmenhorst. Ü50, Vater, Musiker ( Singer ) und MC-Mitlglied. Karre. 99er Harley Davidson Road King KM pro Jahr? Das reicht schon! Mein Credo? Geht nicht, gibt es nicht!! Machen, nicht labern! Der Autor weist ausdrücklich darauf hin, dass er seine Tätigkeit mit der höchst möglichen Neutralität und Objektivität ausführt und die Inhalte im Online-Magazin nur von ihm entschieden wird. Besonderes: Veranstalter von Bikes, Music & More Vol.1 bis 5. - Das Biker-Festival in Delmenhorst sowie der Biker Meile im Rahmen des Delmenhorster Autofrühlings.