Charity: Der Krüppelprediger!

Bei meiner Internet-Recherche stolperte ich über einen Post zu einem Flyer, den die Partnerin des Krüppelpredigers Markus Schenderlein über das Projekt EDENerdig veröffentlich hatte.

Darin nahm sie Bezug auf die Kritik eines Lesers, der die Aktionen von Markus tendentiell kritisierte und ihm eine Bereicherungsabsicht unterstellte, weshalb er das Vorhaben staatsanwaltlich prüfen lassen wolle. Das machte mich neugierig. Worum geht es? Er möchte sich sein Bike durch Spenden finanzieren lassen. Aha!

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Also habe ich mir EDENerdig mal konkreter angeschaut und Markus direkt angesprochen. Ich stellte fest, dass er an den Rollstuhl gebunden ist. Unter diesem Aspekt bekam die Aktion einen völlig anderen Blickwinkel. Hier das Interview:

Markus, seit wann bist du gläubig?

Ich war 15 Jahre alt, also jetzt seit 30 Jahren.

Wie kamst du zu Jesus?

Als Konfirmant hörte ich von einem Gott, der mich bedingungslos liebt. Für den ich mich nicht verbiegen muss oder mich verändern. ER wollte mich so wie ich bin, als Freund. Und zeigt sich in Jesus, das machte mich an. Denn schon als Teeanger erlebte ich oft, dass man nur dazugehört, wenn man die oder die Klamotten trug oder die oder die Musik hörte.

Bei Jesus sei das anders. Ich muss mir seine Liebe nicht durch (gut) Taten verdienen oder durch das Einhalten von bestimmten Regeln, seine Gunst erhaschen, wie es schon in Cliquen auch üblich war.(bis heute) Und ich hörte, man könne eine Beziehung zu ihm haben. Mit ihm reden wie mit einem Kumpel. In persönlichen Gebeten. Ich fing damit an. Und es entwickelte sich eine Freundschaft.

Vor dem Unfall!

3. Wann war der Unfall?

1995 in Österreich. Ich war 25 Jahre.

Was war passiert?

Auf einer Paßstrasse fuhr ich in einer rechts Kurve aus einen Tunnel. Kurz bevor ich ihn verließ, kam ein Auto, noch in der Kurve, auf meiner Spur, mir entgegen. Ich versuchte noch auszuweichen, doch wir stießen zusammen. Ich flog über das Auto aus dem Tunnel raus. Flog mit dem Rücken gegen ein altes Eisentor, das meine Flugbahn veränderte. Anstatt in die Schlucht zu stürzen, flog ich 20 Meter einen steilen Abhang runter. Der letzte Baum, alle anderen waren gefällt, fing meinen Sturz ab. Sonst wäre ich noch weitere hunderte Meter runter gerollt.

Nach dem, Unfall!

Nach dem, Unfall!

Ich brach mir den 3/4 Brustwirbel und der 1/2 waren angebrochen. Hätte ich keinen Wirbelsäulenprotektor getragen, wäre ich durch das Eisentor, durch gebrochen wie ein Streichholz. Und wär das Eisentor nicht da gewesen, wäre ich in die Schlucht gestürzt und tot.

Warum erneut auf das Bike?

Ich sage immer:“Ich fahre nicht Motorrad, ich BIN Motorradfahrer“. Es ist für mich eine Identität und kein Hobby. Durch den Unfall wurde mir ein großer Teil dieser Identität geraubt. Mein Herz wurde in zwei Stücke gerissen. Wieder aufs Bike zu kommen, bedeutet für mich wieder ganz zu sein.

Warum hast du dich für diese Form der Kapitalgewinnung entscheiden?

Mit unserem Beratungsdienst kleiner-leuchturm.de EDENerdig.de arbeiten wir auf Spendenbasis. D.h. jeder der Beratung braucht, bekommt sie. Denn die meisten Menschen, hier in Ostfriesland, können sich in Krisenzeiten oder in Lebensveränderungen, keine professionelle Seelsorge/Beratung leisten.

Sie geben das, was sie können und wenn sie es nicht können, ist das auch ok. Wir haben dafür einen festen Spendenkreis der unsere Arbeit unterstütz. Niemand soll alleine klarkommen müssen, nur weil er keine Kohle hat. Deshalb wird es für uns zum „überleben“ reichen, aber es wird kein Geld übrig bleiben. Darum bitte ich um Unterstützung, denn alleine werde ich es nie schaffen. Und kein Mensch ist eine Inseln. Wir brauchen immer, irgendwann jemanden, der uns hilft.

Der Krüppelprediger sehnt sich nach einem eigenen Bike, um den Motor unter dem Arsch zu spüren! No Trike!

Der Krüppelprediger sehnt sich nach einem eigenen Bike, um den Motor unter dem Arsch zu spüren!

Was sagst Du den Kritikern, die dir persönliche Bereicherung vorwerfen?

Ein Motorrad ist für mich kein Luxus. Es ist der zweite Teil meiner Identität, die ich wiederhaben möchten. Ich sage klare, wofür ich um Unterstützung bitte. Das kann man doof finden oder man hilft mir. Denn alleine werde ich es nie schaffen. Und wenn ich eines durch meinen Unfall gelernt habe ist, dass es keine Schwäche ist, um Hilfe zu bitten. Es ist mutig.

Wo geht die erste Tour hin, wenn es klappt?

Zu meinen alten Mopedtreff in Haltern. Ne Pommes-Currywurst-rot-weiß essen und einen Kaffee trinken. Mit dem Satz: „Ich bin wieder da, hatte mich nur versteckt“.

Wer sich nun näher für EDENerdig interessiert, folgt dem Link. Ich schaue mir die Nummer weiter an. In Sachen Benefiz bin ich sensibel. Von daher will und kann ich das Vorhaben derzeit substantiell noch nicht beurteilen. Menschlich finde ich es aber total klasse. Der Mann hat mehr Biker-Herz als mancher Poser, der seine Karre nur für die Eisdiele aus der Garage quält.

Das Projekt EDENerdig unterstützt die Aktionen des Krüppelpredigers.

Allerdings stellt sich mir in der Tat die Frage, wie hoch der finanzielle Aufwand für das ersehnte Bike im Verhältnis zum gesamten Spendenaufkommen von EDENerdig ist und warum die Initiative nicht als gemeinnütziger e.V. läuft. Wäre ja top, wenn Markus mir das separat als Kommentar zum Beitrag berantwortet. Ich bleibe dran!

Link:  www.facebook.com/edenerdig/

Autor: Lars Petersen

Über 30 Jahre Erfahrung als Vertriebsmann. Davon 9 Jahre Anzeigenleiter bei der Borgmeier Media Gruppe GmbH in Delmenhorst. Ü50, Vater, Musiker ( Singer ) und MC-Mitlglied. Karre. 99er Harley Davidson Road King KM pro Jahr? Das reicht schon! Mein Credo? Geht nicht, gibt es nicht!! Machen, nicht labern! Der Autor weist ausdrücklich darauf hin, dass er seine Tätigkeit mit der höchst möglichen Neutralität und Objektivität ausführt und die Inhalte im Online-Magazin nur von ihm entschieden wird. Besonderes: Veranstalter von Bikes, Music & More Vol.1 bis 5. - Das Biker-Festival in Delmenhorst sowie der Biker Meile im Rahmen des Delmenhorster Autofrühlings.