Hamburg Harley Days: Dünne Beschwerdelage!

Fallen die Harley Days der Klimadiskussion zum Opfer?

Der Begriff Overtourismus ist uns im Rahmen der Klimadiskussion mittlerweile durchaus geläufig. Bestes Beispiel dafür, dass eine Stadt im touristischen Übermaß zu ersticken droht, ist Venedig. Doch auch in Hamburg gibt es bereits nach Einschätzung einiger Politiker erste Anzeichen dafür, dass die Stadt an der Elbe ein ähnliches Schicksal erleiden könnte. In diesen Kontext passt auch die Diskussion über die Zukunft der Hamburg Harley Days, die in diesem Jahr zig Tausende Besucher in die Stadt lockte, über die sich allerdings nach Aussage etlicher Politiker die Bürger vielfach beschwerten.

Das Tor in eine ganz eigene Harley-Welt.

Reiner Populismus?

Da wurde ja nach dem Event ein echt dickes Fass aufgemacht. Und es gibt tatsächlich sehr konkrete Überlegungen, den Hamburg Harley Days ab 2021 keine weitere Genehmigung zu erteilen. Doch solange die Statements aus der Politik nicht mit Fakten unterfüttert sind, ist das zunächst ein reines Symbolgefecht, welches jedoch wunderbar in die aktuelle Klimadiskussion passt, also vielfach Zustimmung generiert. Also, was ist denn aktuell Ambach?

Dachte sich wohl auch Stephan Jersch, Mitglied der Fraktion Die Linke, und stellte an den Hamburger Senat eine kleine Anfrage bezüglich der derzeitigen Situation an offiziellen Beschwerden. Der Senat gab Auskunft und siehe da, es gab zu den Harleys Days 11 Beschwerden und zu dem Hamburger Schlagermove 16, obwohl dieser deutlich weniger Besucher anzieht als das Bikerevent. Nun, dieses hatte Jersch so auch nicht erwartet. Auf Nachfrage zu den geringen Beschwerden daraus gab er mir ein Statement:

„Hallo Herr Petersen,

ich würde es mal so beschreiben: es gibt einen große Diskrepanz zwischen dem geäußerten Unmut in Quartiers-, Stadtteilbeiräten, Mails, Gesprächen, dem erlebten Event und den offiziell eingereichten Beschwerden. Das liegt zum einen an der Ergebnislosigkeit oder der Erwartung selbiger bei Beschwerden wie auch daran, dass man sich einbunkert in diesen Tagen. Da ich selber in der Hafencity arbeite und eine Zeit lang auch an einer Straße deren Hall sehr schön wirkt weiß ich, dass da regelmäßig große Maschinen durchdröhnen. Nicht viele, aber zu viele. Und sie nerven.

Stephan Jersch

Aber selbst beim Fluglärm bewegt sich kaum etwas, bei über 100.000 Beschwerden. Aber die Verlagerung auf den Grossmarkt hat tatsächlich zu einer Besserung der Situation geführt. Ich würde es aber nicht nur auf die Beschwerden beziehen. In einer Zeit von Klimakatastrophe und der Diskussion über autofreie Innenstädte geht es auch darum,dass ein solches Event kontraproduktiv in einer schadstoffgeplagten Stadt ist. Da überholen sich die Kritikpunkte geradezu. Ich werbe aber dafür, dass (wie beim Fluglärm) es eine zentrale und öffentlich gemachte Stelle für die Annahme von Beschwerden gibt. Das offizielle Beschwerdebild gibt die Realität nicht wieder.

Beste Grüße Stephan Jersch

Weiter führte er in Bezug auf das Verhalten der Besucher aus:

„Gerne …ich will aber noch anmerken, dass fast alle Teilnehmer/innen sich völlig konform verhalten, aber der enge Stadtraum führt dazu, dass auch das bei der Vielzahl der Teilnehmer/innen eben nicht verträglich mit einer dicht besiedelten Stadtlage ist.“
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Klimaaktionismus?

Da der Senat zu den ökologischen Auswirkungen aktuell keine Antwort geben kann, schlage ich vor, man steigt erst dann wieder in die Diskussion ein, wenn tatsächlich Fakten vorliegen, die nachvollziehbar und belegbar sind und wenn es seitens der Experten klar belegbare Hinweise darauf gibt, dass die Hamburg Harley Days nachhaltig die Umwelt schädigen. Derzeit wird ja oftmals die Meinung vertreten, dass man im kleinen anfangen muss, um sich später um die großen Probleme zu kümmern. Aber bitte nicht, wenn eine Nichtgenehmigung substantiell nichts bringt!

Die Harley Days 2020 sind ja genehmigt. Somit besteht die Möglichkeit sich prüfbare Zahlen zu verschaffen. Faktisch sehe ich derzeit nämlich keinen keinen Grund, warum die Hamburg Harley Days nicht über das Jahr 2020 hinaus stattfinden sollen. Jersch selber konstatiert ja auch, dass der Umzug auf den Großmarkt positive Impulse gebracht habe. Ob Parade, Zuwegungen, der Kiez, alles muss auf den Tisch. Nur wenn am Ende feststeht, dass die Harley Days einen effektiv negativen Einfluss auf die Gesamtbilanz der Stadt Hamburg haben, knicke ich ein.

Denn solange die größten Dreckschleudern in den Hamburger Hafen einlaufen, und das sind unstrittig die Kreuzfahrtschiffe, muss mir niemand erzählen, dass der Wegfall der Harley Days die CO2-Bilanz der Stadt nachhaltig verbessert. Und wie sagt es Jersch selber:

„Im Verhältnis zu den Cruise Days in Hamburg sind die Harley Days klimapolitisch eine Mücke!“