Im Kiez: Stirbt Delmenhorst aus?

Mein Geschäftssitz ist Delmenhorst bei Bremen. Und da ich hier seit nunmehr über 20 Jahren lebe und arbeite, habe ich irgendwann angefangen mich hier Zuhause zu fühlen, obwohl der Ruf außerhalb von Delmenhorst alles andere als positiv ist. Doch nicht nur das, selbst ein Großteil der hier lebenden Bürger sieht die Stadt äußerst kritisch. Das hat viele Gründe.

Da ist zunächst der hohe Kaufkraftverlust durch die hohe Anzahl der Pendler, die außerhalb der Stadt an der Delme arbeiten und somit im Umland Besorgungen für den täglichen Bedarf oder ihr Sportvergnügen erledigen. Vielschichtige Freiezeitangebote gibt es bei uns zudem auch nicht. Auch das lockt die Bürger in das Umland. Ein echtes Kernproblem ist aber die City, die noch vor etwa 30 Jahren das schicke Wohnzimmer von Delmenhorst war und selbst Bremer und Oldenburger in die Fußgängerzone lockte.

Delmenhorst gilt für viele als No-Go-Area in Sachen Wirtschaft!

Der Einzelhandel verschwindet!

Doch das ist Schnee von gestern. Heute ist man froh, dass ein neues Pflaster gesetzt wurde und feiert das ab, als wenn damit der Heiland in die Stadt eingekehrt ist. Ebenso machte man ein Fass auf, als H&M als sogenannter Handelsmagnet sich hier niederließ. Gebracht hat das alles nichts. Die City blieb für auswärtige Mieter mit einem attraktiven Warenangebot weiterhin uninteressant. Wie ein Mahnmal steht zum Beispiel das seit über 10 jahren leerstehende ehemalige Karstadtgebäude leer. Es passiert nichts. Drumherum eröffnen an sich nur Handy- und 1-Euro-Läden, die ganz gezielt das sozial schwache Publikum ansprechen, welches hier zuhauf lebt. Der qualifizierte Einzelhandel ist kaum vorhanden.

Tja, und derzeit hat man das Gefühl, dass dieser so langsam in der Fußgängerzone und seinen Ausläufern völlig wegbricht. Bosch Oberheide insolvent, Juwelier Wieting Räumungsverkauf, Imbiss Logemann schließt für immer und nun hat auch noch der Traditionsanbeiter Männer Többens Werbebanner zum Räumungsverkauf wegen Geschäftsaufgabe an die Fenster geklebt. Auch wenn hier und da behauptet wird, dass die Geschäfte an sich gut liefen, die Aufgabe andere Gründe hätte, so richtig glauben tut das vermutlich niemand, denn bei einer positiven Bilanz findet sich immer ein Nachfolger oder Investor. Im Falle von Männer Többens ist wenigstens ein Nachfolgemieter gefunden. Start zirka im März 2020.

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Biker-Events?

Ich habe in Delmenhorst die Biker Meilen im Rahmen des Autofrühlings organsiert, um irgendwie auf meine Art einen Beitrag zu leisten. Nur mit dem Finger auf andere zu zeigen ist nicht mein Stil. Das hat an sich immer gut funktioniert, trotz mancher Kritik und der lästigen Knöllchenaktion während der letzten Biker Meile. Ein eigenständiges Event konnte ich aber nie an den Start bringen. Klar, für den Parkplatz Graften ruft die Stadt mal eben eine Miete im fünfstelligen Bereich für 3 Tage auf. Fünfstellig! Da geht keiner ran, der einigermaßen normal tickt. Das Risiko ist viel zu hoch!

Die Biker Meile ist ad acta gelegt. Schade, war nie schlecht besucht!

Und ein Gesprächsangebot für ein Event in der City gab es trotz schriftlicher Anfrage nie. Ja, warum denn eigentlich nicht. Biker sind mobil, sie sind durchaus bereit für ein schickes Bikerevent etliche Kilometer zurück zu legen. Und genau das muss doch eine Kernzielgruppe für jedes Stadtmarketing sein, deren originäre Aufgabe darin besteht Menschen an die Delme zu locken.

Vor Jahren habe ich zudem den Vorschlag gemacht, dass man auf der Homepage der Stadt einen Button einfügt, über den man durch einen Klick sämtliche Angebote in der Region für Biker präsentiert. Das kostet so gut wie nichts, außer der Akquise und der grafischen Erstellung. Die ansässige Hotelerie würde das sicherlich begrüßen. Nüschte ist bis heute passiert. Hier stimmt anscheinend etwas Generelles nicht.

Somit komme ich langsam zu der Erkenntis, dass selbst die Stadtoberen trotz anderslautender Aussagen in den Medien von dem Anti-Delmenhorst-Virus infiziert sind und nur noch das machen, was ohnehin läuft und wo man sich nicht die Finger dran verbrennen kann. Leute, so wird das garantiert nichts. Der Verweis auf private Eventflächen ist ganz nett, aber etliche Leute haben einfach nicht die Kohle um horende Mieten für Eventflächen zu verauslagen. Die haben aber oftmals Kreativität und Ausdauer, sind gute Netzwerker. Geht doch mal neue Wege, versucht etwas anderes bzw. neue Themen zu platzieren. Die Stadt braucht dringend eine Belebung. Also zeigt euch interessiert!

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Fazit!

Diese City geht immer weiter den Bach runter. Neben den o.g. Firmen werden zukünftig weitere Alteingesessene in den Sack hauen, so meine Prognose. In den 90ern waren es die Ketten, jetzt ist es der Onlinehandel, dem man nur mit einem attraktiven Mix etwas entgegen zu stellen hat.

Wenn ich ab und an in der Lange Straße sitze, kann ich mehr Tauben als Fußgänger zählen. Ein erschreckendes Bild. Und der Umstand, dass der neue Leiter des Stadtmarketings nur kommissarisch agiert und vermutlich auch nur max zwei Tage in der Stadt ist, lässt mich auch nicht auf bessere Zeiten hoffen.

Mein Gedankenanstoß? Schon mal darüber nachgedacht, im ehemaligen Karstadtgebäude nach dem Baukastenprinzip Starts Ups über günstige Mieten einen Anreiz zu bieten sich in Delmenhorst nieder zu lassen?

Aber was weiß ich schon. Vielleicht sehe ich das ja völlig falsch!

Autor: Lars Petersen

Über 30 Jahre Erfahrung als Vertriebsmann. Davon 9 Jahre Anzeigenleiter bei der Borgmeier Media Gruppe GmbH in Delmenhorst. Ü50, Vater, Musiker ( Singer ) und MC-Mitlglied. Karre. 99er Harley Davidson Road King KM pro Jahr? Das reicht schon! Mein Credo? Geht nicht, gibt es nicht!! Machen, nicht labern! Der Autor weist ausdrücklich darauf hin, dass er seine Tätigkeit mit der höchst möglichen Neutralität und Objektivität ausführt und die Inhalte im Online-Magazin nur von ihm entschieden wird. Besonderes: Veranstalter von Bikes, Music & More Vol.1 bis 5. - Das Biker-Festival in Delmenhorst sowie der Biker Meile im Rahmen des Delmenhorster Autofrühlings.