Im Profil: Rechtsanwalt Ronald Neumann!

Ihr könnt euch sicherlich noch daran erinnern, dass ich ein von Tim K. angestrengtes Verfahren gegen mich vor dem Gericht in Detmold hatte. Nun, der Kollege hat nicht gewonnen und am Ende war ich mit dem Vergleich vollends zufrieden. Für mich war das ein gefühlter Erfolg. Mein juristischer Begleiter war Rechtsanwalt Ronald Neumann. Ich kannte ihn vorher noch nicht.

Er war mir auf Anhieb sympathisch. Statt eines dünnen Männchens in Nadelstreifen stand da plötzlich eine ziemliche Kante vor mir. Kam heraus, Ronald (Ronzi) war mal in Sachen Rugby aktiv und bekanntermaßen sind das keine weichgespülten Leisetreter. Ronzi ist im gesamten Bundesgebiet aktiv. Seine Schwerpunkte sind u.a. Strafrecht und Verkehrsrecht. In Sachen Drucksache 125/20 habe ich mich mit ihm bereits ausgetauscht. Da hat er eine ziemlich klare Meinung zu. Ich denke, es ist mal an der Zeit den Mann näher vorzustellen. Also ab in das Interview mit ihm.

Ronald Neumann aka Ronzi hat mich in dem von Tim K. angestrengten Verfahren vertreten.

Frage & Antwort!

1. Seit wann bist Du Anwalt und welche Motivation hattest Du Anwalt zu werden?

Seit Juli 2012 bin ich Anwalt. Vorher habe ich, seitdem ich 15 war in verschiedenen Kanzleien als Praktikant und später als Referendar gearbeitet.

Die Motivation begründet sich mit dem Umstand, dass ich mich schon immer gern für Menschen eingesetzt habe und dabei auch die schützen wollte, die ich ungerecht behandelt empfand.

Das Recht nicht immer gerecht bedeutet, war mir zwar schon damals klar, aber ich wollte dabei mitwirken, dass es ein wenig gerechter zugeht.

2. Wo liegen Deine Schwerpunkte?

Davon kann ich ein Lied singen. Andere Biker vermutlich ebenso!

Meine Schwerpunkte liegen im Straf- und Verkehrsrecht. Diese Bereiche haben für mich den meisten Reiz. Es sind auch Rechtsgebiete, die sich öfter mal überschneiden.

Allerdings stehe ich den Mandanten auch in anderen Rechtsgebieten, wie z.B. Arbeits-, Sozial- und Familienrecht bei.

3. Agierst Du bundesweit oder regional?

Ich vertrete bundesweit. Das bringen schon die Schwerpunkte mit sich, da die Sachen an den Gerichten verhandelt werden, in deren Zuständigkeitsbereich die Taten begangen wurden. Es ist mir aber auch generell ein Anspruch, die Mandanten überall in Deutschland zu vertreten. Wenn sie mir ihr Vertrauen schenken, sollen sie auch nicht durch einen Kollegen vertreten werden, sondern durch mich selbst.

Außerdem bin ich wirklich unheimlich gern auf der Autobahn unterwegs. Da habe ich viel Spaß dran, außer im Stau. Grins…

4. “Recht haben, Recht bekommen”, was fällt dir dazu ein?

Das Thema habe ich ja schon unter 1. mal kurz angerissen. Leider sind da manchmal zwei ganz verschiedene Paar Schuhe. Recht wird durch Richterinnen und Richter „gesprochen“. Wie die Bezeichnung schon sagt, „spricht“ es also ein Mensch. Menschen haben verschiedene Blickwinkel auf das Leben. Das ist dann u. U. nicht das, was eigentlich im Gesetz „geschrieben“ steht. Deshalb gibt es auch so unterschiedliche Urteile in verschiedenen Instanzen.

Es ist die Aufgabe des Anwalts aufzupassen, dass sich das „gesprochene“ Recht nicht zu sehr vom „geschriebenen“ Gesetz entfernt. Gerade in den letzten Monaten ist, mit den Coronamaßnahmen und der Fülle der daraus resultierenden Ver- und Gebote zu beobachten, dass Entscheidungen fallen, die mit Recht, in meinen Augen, rein gar nichts mehr zu tun haben.

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5. Derzeit hängt über der Motorradszene die Drucksache 125/20 des Bundesrates wie ein Damoklesschwert. Was denkst Du über die Forderung nach einem temporären Fahrverbot aller Motorradfahrer in bestimmten lärmgeplagten Bereichen?

Es ist auffällig, dass man immer häufiger seitens der Regierung zu Verboten greift. Dieses nicht nur, wie eben schon gesagt, im Zusammenhang mit Corona, sondern auch im Hinblick auf Umwelt, Klima und andere Aspekte. Es erwächst immer mehr die Tendenz, dass einige wenige vom Schreibtisch aus entscheiden wollen, was gut und was schlecht, bzw. was „gut“ und was „böse“ ist. Das ist bedenklich.

Auch die rigorose Art der Verbote empfinde ich als unpassend. Als Jurist lernt man schnell, vieles abzuwägen und den Einzelfall zu betrachten. Das geht meiner Meinung nach hier völlig verloren. Ein Fahrverbot für alle Motorradfahrer, in welchen Bereichen auch immer, ist für mich aktuell mit keinem Gesetz, insbesondere nicht mit dem Grundgesetz, zu vereinbaren.

Ronzi vertritt viele Mandanten im Verkehrsrecht!

6. Gehören Biker zu deinen Mandanten?

Natürlich vertrete ich auch Biker in verschiedenen Rechtsgebieten.

7. Gibt es einen Fall, der Dir besonders in Erinnerung ist?

Da gibt es einige. Das würde den Rahmen sprengen. Ein aktuellerer mal in Kürze:

Tatvorwurf: illegales Straßenrennen!

Zwei Polizisten fahren mit dem Einsatzwagen ohne geeichten Tacho zwei zu schnellen Autos nach. Die ziehen die beiden Jungs raus und sind sich vor Ort nicht mal sicher, ob ein illegales Autorennen nun noch OWi oder doch schon Straftat ist. Also nehmen sie die Personalien auf und ziehen ab. Nach einem Monat (!!!) werden, mitten in der Nacht, die Autos als Tatmittel beschlagnahmt und die Führerscheine werden sichergestellt.

Das Auto meines Mandanten bekamen wir in der 1. Instanz raus. Allerdings nicht den Führerschein. Die Polizisten machten in meinen Augen unhaltbare Zeugenaussagen. Da passte nichts zusammen. Dem einen habe ich sogar im Gerichtssaal gesagt, dass er lügt. Das Amtsgericht traute sich jedoch nicht einen Freispruch zu urteilen. Ich hatte den Eindruck, da war die Angst vor einer möglichen negativen Presse zu groß.

Den Führerschein haben wir erst beim Landgericht in der 2. Instanz wiederbekommen. Da hatte man dann ein bißchen mehr Mut! Da hat sich wieder gezeigt, dass man dem Mandanten Mut machen muss. Den Mut, eine absolut ungerechte Entscheidung eben nicht im Raum stehen zu lassen und sich dann in der nächsten Instanz sein Recht abzuholen.

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8. Was reizt Dich am Recht?

Menschen vor Ungerechtigkeit beschützen. Ist nicht immer so. Manchmal vertritt man eindeutig Schuldige oder nicht ganz Unschuldige. Aber dann besteht der Reiz darin, trotzdem das Beste rauszuholen. Was auch immer das im Einzelfall ist.

9. Streiten die Leute mehr als früher, oder täuscht der Eindruck?

Auf jeden Fall. Das ist zwar wirtschaftlich für mich und die anderen Kollegen verteilhaft, aber artet auch manchmal in Kindergarten aus. Ich sage immer: Wenn wir früher vom Klettergerüst gefallen sind, gab‘s im Zweifelsfall Heim deshalb Trouble, weil wir uns nicht richtig festgehalten haben. Wenn die Kids heute runterfallen, wollen Mama und Papa erstmal die Stadt und am besten den Hersteller auch noch verklagen. (Ende Interview)

Autor: Lars Petersen

Über 30 Jahre Erfahrung als Vertriebsmann. Davon 9 Jahre Anzeigenleiter bei der Borgmeier Media Gruppe GmbH in Delmenhorst. Ü50, Vater, Musiker ( Singer ) und MC-Mitglied. Karre? 99er Harley Davidson Road King KM pro Jahr? Das reicht schon! Mein Credo? Geht nicht, gibt es nicht!! Machen, nicht labern! Der Autor weist ausdrücklich darauf hin, dass er seine Tätigkeit mit der höchst möglichen Neutralität und Objektivität ausführt und die Inhalte im Online-Magazin nur von ihm entschieden wird. Besonderes: Veranstalter von Bikes, Music & More Vol.1 bis 5. - Das Biker-Festival in Delmenhorst sowie der Biker Meile im Rahmen des Delmenhorster Autofrühlings.