Szenebelange: Die Bikerdemo in Bad Homburg

Der Feldberg im Hochtaunuskreis ist ganz sicherlich einer der am meisten bekannten Hotspots für Biker in Deutschland. Seit etlichen Jahren gibt es dort erhebliche Kontroversen hinsichtlich Messungen, temporären Streckensperrungen oder gar Vollsperrungen für Biker.

Richtig ist, dass es dort in einigen Abschnitten häufiger zu Unfällen kommt. Richtig ist es ebenso, dass man seitens des zuständigen Landratsamtes einiges unternommen hat, um insbesondere die sogenannten Applauskurven zu entkräften. Auf der Agenda standen Geschwindigkeitsreduzierungen, mehr polizeiliche Kontrollen und die Erfassung von Daten, die weitere Einschränkungen rechtfertigen sollen. Laut Befürworter von Sperrungen hat dieses alles nichts gebracht.

Also soll Ultima Ratio greifen, das Motorradfahren dort in bestimmten Bereichen generell verboten werden. Und an dem Punkt sind wir bei dem Aspekt, der von zig Bikern als hochgradig ungerecht empfunden wird, nämlich die pauschale Vereinnahmnung aller, um das Fehlverhalten weniger zu unterbinden. Sippenhaftung eben! Dagegen wehrt man sich.

Einer, der bereits in den letzten Jahren immer wieder zu Protesten aufgerufen hatte und sich massiv engagiert, ist John vom RideFree Germany e.V. Ich verweise zum Beispiel auf die Demos in Nürnberg, die von Tausenden angefahren worden sind und die er angeschoben hatte. Nun ist es oftmals so, dass diejenigen, die sich engagieren, irgendwann in die Kritik geraten ob ihrer Motivation. John geht das da nicht anders. Das folgende Interview sollte John die Möglichkeit geben, das Vergangene näher zu beleuchten und für die Demo am 14. Mai in Bad Homburg zu werben.

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Das Interview!

John, am 14. Mai 2022 findet in Bad Homburg am Feldberg eine Bikerdemo gegen Streckensperrungen und ein potenzielles temporäres Fahrverbot statt. Es ist nicht die erste Demo, bei der du maßgeblich involviert bist. Sind am 14. Mai neue Aspekte und Erkenntnisse zu erwarten?

In gewisser Weise ja. Seit 2020 ging es ja gegen drohende Fahrverbote auf Bundesebene. Das ist zum Glück vom Tisch, jetzt geht es gegen eine lokale Sperre. Hier will ein Landrat eine Strecke nur für Motorräder sperren, wieder wegen angeblichem Motorradlärm. Genau diese Strecke wurde versuchshalber 2019 schon mal gesperrt. Übrigens mit Zustimmung der BikerUnion. Man sammelte Daten und gab die an eine Analysefirma. Deren Aufsichtsratsvorsitzender ist genau dieser Landrat.

Nachdem klar war, dass die Daten keine gerichtsfeste Sperrung rechtfertigen würden, soll nun eben so lange gesperrt werden, bis das Ergebnis dem Landrat passt. Beim ersten Mal sind etwa 30.000 € Steuergeld draufgegangen. Wir wissen, dass an einigen Stellen sehr genau auf den Ausgang des Projektes geschielt wird. Der Feldberg hätte somit Modelcharakter für sehr viele Strecken bundesweit, deswegen wollen wir hier ein Zeichen gegen die einseitige Diskriminierung von Motorradfahrern setzen. (Ein bisschen auch gegen die Verschwendung von Steuergeld)

Dieses Motiv stammt von einer Demo in Stuttgart. Man darf gespannt sein, wie die Demo in Bad Homburg am 14. Mai angenommen wird.

Blicke doch mal auf den bisherigen Protest zurück. Hat sich etwas verändert`?

Vieles sogar. Wir stehen mittlerweile bundesweit mit unterschiedlichen Akteuren in Kontakt, arbeiten bei verschiedenen Projekten zusammen. Man kann generell sagen, dass sich vieles professionalisiert hat. Auch die Politik ist auf die Motorradfahrer aufmerksam geworden und hat erkannt, dass wir eben nicht nur Steuern zahlen, sondern auch wählen können. Das sind schon mal Fortschritte. Leider muss ich auch sagen, dass sich bei vielen das typisch deutsche „DA KANN MANN JA EH NICHTS MACHEN“ eingeschlichen hat. Nach zwei Jahren ist bei vielen Bikern wohl etwas die Luft für die Proteste raus.

Ich stelle für mich fest, dass immer noch ein Großteil der Biker zwar zu Motorraddemos fährt, aber sich inhaltlich nicht oder nur wenig informiert. Täusche ich mich?

Das würde ich nicht so unterschreiben, wenn ich beispielsweise sehe, wie kontrovers auf Social Media diskutiert wird, denke ich ist da schon Potenzial aber das muss natürlich auch auf der Straße genutzt werden und das ist schon noch etwas ausbaufähig. Wir müssen hier einfach dran bleiben. Die Proteste waren ja schon sehr erfolgreich.

John engagiert sich seit Jahren beharrlich für ein freies Motorradfahren!

Wie sieht es derzeit mit der Vernetzung verschiedener Biker-Communitys aus?

Sagen wir ausbaufähig. Es spricht für sich selbst, wenn der allseits respektierte Backbone MC ein Open House veranstaltet, um Ideen und weiteres gemeinsames Vorgehen zu besprechen und es kommen dann keine 40 Mann. Das muss sich unbedingt ändern. Die Szene hat hier noch sehr viel bislang leider ungenutztes Pozential.

Auf der anderen Seite kommen aber auch Allianzen zustande, die man nicht für möglich gehalten hätte. Am Feldberg arbeite ich beispielsweise mit Akteuren zusammen, von denen ich das früher nicht gedacht hätte. Es ist auf jeden Fall noch Luft nach oben was Kooperation und Vernetzung angeht. Klar ist das nicht leicht bei so verschiedenen Organisationen und Akteuren mit unterschiedlichen Sichtweisen und Ausrichtungen alle an einen Tisch zu bekommen, aber letztlich geht’s uns ja allen um das Gleiche. Am aktuellen Beispiel am Feldberg kann man beispielsweise aber auch sagen, dass einige leider noch lernen müssen, dass der Gegner hier der Landrat ist und nicht die anderen Bikerorganisationen.

Wurden bereits Erfolge erzielt?

Ja, das kann man schon sagen. Viele der Akteure sind mittlerweile ganz gut vernetzt. Aber da ist generell noch Entwicklungsspielraum.

Wer ist Veranstalter der Demo in Bad Homburg?

Das ist das Bündnis WIR GEMEINSAM FÜR DIE FREIHEIT. Das sind verschiedene Gruppen, die schon lange am Feldberg aktiv sind. Zum Beispiel Rainald Mohr (BVDM), der schon seit Jahren dort koordiniert und organisiert. Götz Rinn, (1.Vorstand FDP-Biker), der auch als Anwohner des Feldbergs spricht, oder David Frey (Rennleitung110), der seit mehreren Jahren alle Vorkommnisse am Feldberg genau dokumentiert.Nnoch zu nennen wäre die IG Motorradfreunde Hochtaunus, die sich aus Anwohnern des Feldbergs gegen die Streckensperrung gegründet hat. Ich bin durch Götz, den ich lange und gut kenne, dazu gekommen, der mich fragte, ob ich sie bei einer Demo organisatorisch unterstützen würde.

Pressearbeit ist wichtig! Da muss er mit durch!

Wo ist der Treffpunkt und was sollten Teilnehmer unbedingt beachten?

Treffpunkt das Landratsamt des Hochtaunuskreises, konkret die Benzstraße hinter der Ludwig-Ehrhardt-Anlage in Bad Homburg vor der Höhe. Von dort geht ein geschlossener Verband über die Strecke rauf zum Sandplacken. Dort findet die Hauptkundgebung statt. Beachten muss man, dass natürlich auch bei der Demo die gleichen Regeln gelten wie sonst auch.

Was motiviert dich eigentlich?

Ich sehe es nicht ein, mir meine Rechte nehmen zu lassen. Das ich Motorrad fahre ist mein gutes Recht und nichts, was mir großzügiger Weise von irgendwem gewährt wird. Wir sind mündige Bürger und müssen uns nicht gefallen lassen, wenn man unsere Freiheit einschränken möchte. Mein Sohn soll, wenn er alt genug ist, noch genauso fahren können wie ich oder mein Vater.

Was ist dir noch wichtig mitzuteilen?

Mir wird oft eine Nähe zur FDP nachgesagt. Ich sag niemandem, was er wählen soll. Das muss jeder selbst wissen und genauso kann sich jeder in einr Partei engagieren! Würden sich mehr Biker in den jeweiligen Parteien einbringen, käme kein Politiker auf die Idee, irgendwas gegen Motorradfahrer anzubringen. Wir können nur was ändern, wenn wir sichtbar sind und wirklich jeder kann was machen. Demokratie lebt von Beteiligung. Es braucht sich keiner über die Grünen beschweren, wenn er dann nichts dagegen tut. Wir sind mündige Bürger und keine Schafe!

Gibt es erneut eine Kundegebung?

Sammelpunkt für den Korso am 14.05.2022 ist die Benzstrasse hinter dem Landratsamt Hochtaunuskreis in der Ludwig-Erhardt-Anlage in Bad Homburg vor der Höhe. Korsostart ist um 11.30 Uhr. Gefahren wird als geschlossener Verband über die strittige Strecke rauf zum Sandplacken, dort ist die Hauptkundgebung. Kundegebungsende ist gegen 14.30 Uhr. (Ende Interview)

Autor: Lars Petersen

Über 30 Jahre Erfahrung als Vertriebsmann. Davon 9 Jahre Anzeigenleiter bei der Borgmeier Media Gruppe GmbH in Delmenhorst. Ü50, Vater, Musiker ( Singer ) und MC-Mitglied. Karre? 99er Harley Davidson Road King KM pro Jahr? Das reicht schon! Mein Credo? Geht nicht, gibt es nicht!! Machen, nicht labern! Der Autor weist ausdrücklich darauf hin, dass er seine Tätigkeit mit der höchst möglichen Neutralität und Objektivität ausführt und die Inhalte im Online-Magazin nur von ihm entschieden wird. Besonderes: Veranstalter von Bikes, Music & More Vol.1 bis 5. - Das Biker-Festival in Delmenhorst sowie der Biker Meile im Rahmen des Delmenhorster Autofrühlings.