Kontroverses: Familie oder Club?

Rocker haben in der Regel einen durchaus ausgeprägten Familiensinn. Von daher könnte man direkt zu dem Fazit gelangen, dass ich in der Headline die falsche Frage stelle. Da sich viele Clubmember aber gerne in der totalen Machorolle sehen, die letztlich durchaus häufig dazu führt, dass man im Talk mit den Kumpels der eigenen Familie eine eher sekundäre Rolle zuschreibt, nehme ich mich des Themas heute mal an.

Wie ich das sehe?

Für einen Clubmember ist es oftmals äußerst schwierig, beide Aspekte unter einen Hut zu bringen. Ich selber bin da in puncto Eheleben kaum repräsentativ, da meine zweite Ehe ohnehin im Arsch war, als ich mich in meinem MC vorstellte und aufgenommen wurde. Da allerdings mein Sohn im Alter von 12 Jahren zu mir zog und ich damit die Rolle des Alleinerziehenden innehatte, kann ich dennoch ein wenig mitreden.

Die eigene Familie ist das Wichtigste überhaupt. Das habe ich damals am Tisch klargemacht. Ich hätte mich in Grund und Boden geschämt, wenn ich meinem Sohn irgendeine Lady als Nanny auf die Couch gesetzt hätte, nur, weil ich mal eben spontan mit den Brüdern on Tour gehen möchte. Natürlich gab es das, aber dann handelte es sich bei den Frauen in der Rolly einer Nanny um Menschen, zu denen ein gewachsenes Vertrauensverhältnis bestand.

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Es braucht jedenfalls stets eine gute Planung, damit das Familienleben durch den Club nicht zu sehr in den Hintergrund gerät. Hier sollte die Partnerin durchaus eine mindestens gleichberechtigte Rolle einnehmen. Was spricht auch dagegen, wenn sie in Bezug auf gemeinsame Unternehmungen das Zepter in der Hand hält? Hierbei spielen die Bedürfnisse der Kinder die entscheidende Rolle. Ausreden gibt es ohnehin nicht. Wer bereit ist, für den Club seine Energie einzubringen, hat das auch in der Familie zu tun. Hier muss man genauso beweisen, dass man ein Mann ist.

An dieser Stelle kommt dann oftmals das zum Tragen, was ich im ersten Absatz erwähnte. Manche sind derart in der Machorolle gefangen, dass sie lieber den ganzen Tag auf der Couch verbringen, als ihren Arsch zu bewegen. Wenn das die Regel ist, muss man sich nicht wundern, wenn das Familienleben stets von Spannungen begleitet wird, es oftmals Krach gibt, die Spannungen letztlich zu einer Trennung führen. Und dann ist das Gejaule groß!

Präsenz ersetzt keine Qualität.

Wenn du häufig unterwegs bist, dann biete doch einfach Alternativen an, was man gemeinsam alles erleben könnte, wenn der Club nicht on Tour ist. Das gilt ganz besonders für Chapter/Charter, wo die Ladys tatsächlich außerhalb von eigenen offenen Abenden und Partys keine Rolle spielen. Willst du nicht, weil du kaputt bist? Okay, dann lebe mit den potenziellen Konsequenzen und beschwere dich nicht darüber, dass die Partnerin wieder schlecht gelaunt ist.

Zwei geile Tage mit der Familie sind ganz sicher produktiver, als sieben Tage nur anwesend zu sein. Da muss man aber mitspielen, sich vollends auf die Familie einlassen. Ich war in meinem Leben auf derart vielen Spielplätzen, das mein Sohn lange Zeit wirklich glaubte, er hätte in Bremen alle besucht. Das war natürlich nicht so. Aber ich hatte null Probleme damit, mich mit ihm in den Sand zu setzen und Sandburgen zu bauen. Beschäftigung halt!

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Ja, wir sind nicht selten gefangen durch das, was man in der Bruderschaft von uns erwartet oder vermeintlich erwartet wird. Ich aber lasse mir ganz sicher von niemandem Ratschläge geben, der seine eigene Familie wie Scheiße behandelt. Und siehe da, das sind oftmals genau diejenigen, die  beim ersten Anzeichen von Schwierigkeiten in der selbstgewählten Familie von der Fahne springen.

Damit eines klar ist: Ich habe in meinem Leben in meinen Beziehungen echt viele Fehler gemacht. Von daher sind meine obigen Ergüsse auch ganz sicher teilweise das Resultat einer Selbstreflexion. Die eigene Familie ist jedenfalls immer so wichtig, dass man sie niemals als Formsache oder pure Nebensache darstellt. Wer das tut, hat bei mir an sich verschissen und ich stelle mir die Frage, ob er der Wertestruiktur einer Bruderschaft überhaupt wirklich gerecht wird. Von daher sollte in der Headline an sich stehen:“Familie und Clubleben“. Meinungen dazu?

Passt meines Erachtens zum Beitrag: https://www.familienleben.ch/kind/erziehung/vater-sein-28

Autor: Lars Petersen

Mitglied im DPV Deutscher Presseverband - Verband für Journalisten e.V. Über 30 Jahre Erfahrung als Vertriebsmann, davon 9 Jahre Anzeigenleiter bei der Borgmeier Media Gruppe GmbH in Delmenhorst. Steckenpferd? Texten. Zur Person? Vater und MC-Mitglied (1%er). Karre? 99er Harley Davidson Road King. KM pro Jahr? Das reicht schon! Mein Credo? Geht nicht, gibt es nicht!! Machen, nicht labern! Der Autor weist ausdrücklich darauf hin, dass er seine Tätigkeit mit der höchst möglichen Neutralität und Objektivität ausführt und die Inhalte im Online-Magazin nur von ihm entschieden werden, sofern es sich nicht um bezahlte Aufträge handelt. Besonderes: U. a. Veranstalter von Bikes, Music & More Vol.1 bis 5. - Das Biker-Festival in Delmenhorst, Organisator der Biker Meile im Rahmen des Delmenhorster Autofrühlings sowie Produzent vom Motorcycle Jamboree Journal. Ausrichter vom Rocker Talk 1 und 3.